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18. März 2010 - 19:11 Uhr

Vergangene Nacht unterhielt ich mich im Traum mit einer meiner Zimmerpflanzen. War ein nettes Gespräch. Ganz anders als die üblichen Begegnungen mit Monstern, obskuren Gestalten oder Toten. Wobei, meine Omas lassen mich nachts mittlerweile in Ruhe, nachdem ich mit ihnen geschimpft habe. “Omas”, habe ich gesagt, “so kann das nicht weitergehen! Jetzt seid ihr beide so kurz hintereinander gestorben, könnt ihr zwei euch nicht dort, wo ihr jetzt seid, einfach zusammentun? Ihr müsst nicht jede Nacht in meine Träume kommen. Plaudert lieber miteinander, oder redet, habt ihr in den vergangenen 45 Jahren eigentlich geredet, oder immer nur geplaudert? Macht euch doch dort, wo ihr jetzt seid, zusammen auf die Suche, sucht eure Männer, eure Kinder, eure Eltern und eure Omas. So wie ich euch suchen gehe, dann, wenn es an der Zeit ist. Aber jetzt, ihr Lieben, jetzt lasst mich leben, und bitte vor allem schlafen in der Nacht, ruhig schlafen.”

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18. März 2010 - 17:06 Uhr

Würgen an Worten. Ersticken an Sätzen. Dazu das brandige Brodeln von Gärendem und ranzige Abgestandenheit.

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Erspäht

20. Februar 2010 - 23:02 Uhr

Der Todeskater im Pflegeheim: “Oscar ist ein besonderes Tier: Es scheint zu spüren, wenn Patienten nur noch wenige Stunden zu leben haben. Dann legt sich der Kater neben sie.”

“Du musst dich kümmern, es ist doch dein Vater”: “Plötzlich fehlten ihm Wörter, wenn er erzählte. Er schämte sich, ging nicht mehr aus dem Haus – wurde depressiv. Am Ende ließ Nicole Schneider-Gorges ihren Vater ins Heim bringen. Wenn Eltern plötzlich zu Kindern werden: Die Geschichte eines Dramas, das Abertausende täglich durchleben.”

Letzte Ausfahrt: “Manche Motorradfahrer wollen partout niemals in ein Auto – nicht mal nach ihrem Tod in den Leichenwagen. Der Schotte Paul Sinclair hat eine Lösung: Er ermöglicht eingefleischten Bikern einen Abgang auf zwei Rädern.”

Bestattungen: Ein todsicheres Geschäft: “«Ruhe in Frieden» für 699 Euro, «Wir werden dich nie vergessen» für 499 Euro: Sterben ist ein todsicheres Geschäft. Wirtschaftskrise hin, leere Kassen her – gestorben wird immer, 6649 Mal in Nürnberg im Jahr 2008.”

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Ich bin noch nicht fertig

20. Februar 2010 - 22:46 Uhr

So sorgfältig hinabgestiegen in das dunke Loch, Schritt für Schritt auf der selbstgebauten Strickleiter, so vorsichtig durch die Finsternis getappt, die andre Seite suchend, um wieder hinaufsteigen zu können, hinauf in’s Licht. Die Falltür übersehen.

Es ist kein rasanter Fall. Ein Gleiten eher, schwebend, und ich sehe nicht nur die Marmeladengläser (Erdbeer, 1997) und Bücher (Kreuzworträtsellexikon) in den Regalen, sondern auch die Bilder an der Wand, die Bilder, die durch den Raum schweben, die Bilder in meinem Kopf. Keine Landkarten.

Das Schlimmste, meinte die Ärztin zu mir, sei für sie persönlich das Wissen, den verstorbenen Menschen nie mehr berühren zu können, nie wieder mit ihm sprechen zu können. Woher will sie das so genau wissen, das mit den “Nie wieder”?

Was das Schlimmste für mich ist, weiß ich nicht. Schlimm ist das Erinnern. Z.B. an den Grießbrei. Wie gut er geschmeckt hat, wie sie geschaut hat, wenn sie uns Kindern eine Extraportion Schokolade über den heißen Brei raspelte. Viel schlimmer jedoch ist das Erinnern an schlimme Dinge. Dies zaubert kein kleines, trauriges Lächeln in mein Gesicht.

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Implosion

30. Januar 2010 - 13:18 Uhr

Die sich stets verdichtende Schwebezustand, nun implodiert, der sich darin befindliche Mensch muss achtgeben, von den wirbelnden Bruchstücken nicht erschlagen zu werden. Und sich dann auf die Suche machen nach den Fragmenten seines Lebens, doch wo soll er suchen, in sich oder außerhalb?

Mühsamst aus der Leere gepresste Worte, bitterer als die letzten Tropfen einer alten steinigen Frucht.

Die Schwere des Herzens, sie ist wieder da und mag nicht weichen, doch kein Wunder, das arme Herz, kein Weg wird ihm gestattet sich zu befreien, außer sich wieder und wieder durch die Kopfspiralen drehen zu lassen, wieder und wieder, bis das tüchtige Hirn einige Tropfen blassen Blutes in der Maske eines kümmerlichvernünftigen Gedankens auskotzen kann.

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Erspäht

6. Januar 2010 - 20:44 Uhr

Schnieglinger «Wohnstallhaus» ist gerettet

Top!

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6. Januar 2010 - 20:41 Uhr

Heute am Sternsingertag habe ich, wie es hier Brauch ist, die Weihnachtsdekoration in ihrer Wohnung abgenommen und sorgfältig verstaut, wie sie das wahrscheinlich über Jahrzehnte hinweg am Sternsingertag getan hat. Die Erinnerungen an das Aufhängen der Kugeln, der Sterne, des Goldsterns und das Einstellen des Lichterbogens in das Fenster waren so deutlich, als hätten die vergangenen vier Wochen nicht stattgefunden. Vier Wochen. Ab heute nun also kein Einschalten der Beleuchtung mehr gegen 17:00 Uhr, kein Ausschalten gegen 22.00. Die Lichter sind aus.

Es war sehr schön für sie, als die Sternsinger letztes Jahr in ihrem Wohnzimmer sangen, sie hat es genossen und gestrahlt. Heute waren sie nicht da. Ich war traurig deshalb, es hätte mich gefreut, wenn sie in ihrer Wohnung auch heuer gesungen hätten. In unserer Vorabendserie, meinem nun letzten täglichen Fixpunkt, jedoch hatte ein kleiner Junge seinen Auftritt als Ministrant. Es war sehr berührend, den Heiligen Drei Königen so unerwartet doch noch zu begegnen, daheim, im Wohnzimmer.

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29. Dezember 2009 - 21:42 Uhr

Im Traum vorletzte Nacht erschien es mir nicht richtig, daß ich mit andren Menschen über ihren Tod gesprochen hatte, andre Menschen über die Umstände Bescheid wissen, sie aber nicht. Sonst hab ich ihr doch auch alles erzählt, ich muss ihr unbedingt berichten und in der Sekunde, als dem Traum klar wurde, daß ich sie nicht anrufen kann war sie zugleich da, und ich hab ihr erzählt, wie sie gestorben ist, daß ich wirklich nur drei oder vielleicht auch fünf Minuten aus dem Zimmer war und sie dann tot vorfand, obwohl doch vorher nichts unmittelbar darauf hindeutet. “Na sowas!” hat sie geantwortet, ich bilde mir einen leicht schmunzelnden Tonfall ein. So wie sie wohl auch in der Wirklichkeit auf das Erzählte geantwortet hätte, wenn es denn möglich wäre.

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25. Dezember 2009 - 23:23 Uhr

Was half und hilft:

Schlafen. Weihnachten ignorieren. Schlafen. Mich mit WordPress beschäftigen. Schlafen. Mich mit meinen Photos beschäftigen. Schlafen. Stundenlang bei Frank Bültge schauen und lesen. Mich mit Greyfoto beschäftigen. Schlafen.

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Advents-Kalender

24. Dezember 2009 - 01:28 Uhr

Advents-Kalender

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