Kategorie: Allgemein


.

20. Dezember 2009 - 14:09 Uhr

Was mir geholfen hat und hilft.

Das Dabeisein. Das Bei-ihr-bleiben in der Nacht darauf. Das Auf-sie-aufpassen und Mithelfen bei der Totenbeschauung, das Auf-sie-aufpassen während des Abtransportes.

Das Aussuchen des Trauerspruchs für die Annonce, das Aussuchen einer passenden Bibelstelle. Das Gespräch mit dem Pastor. Das Erinnern mit Familie und Freunden. Das Erinnern für mich allein.

Rituale. Ihre Wohnung ordentlich halten. Ihre Weihnachtsbeleuchtung gegen 17:00 Uhr einschalten. Mit den Finken sprechen.

Das tiefe Loch lag klar vor mir. Um nicht hineinzufallen, habe ich mir im Laufe der letzten Wochen eine Leiter gebaut. Damit kann ich hinabsteigen, vorsichtig, Sprosse für Sprosse. Wenn die Leiter hält, komme ich damit auch gut wieder nach oben.

Kommentieren » | Allgemein

.

17. Dezember 2009 - 09:43 Uhr

Sie hat den silbernen Weihnachtsstern nicht mehr gesehen.

Es ist eine eigentümliche Gegenwart, die ich durchschwebe, so dichtgedrängt sind die Bilder der Vergangenheit an die Vorstellungen der Zukunft, daß für ein Jetzt gar kein Platz ist.

Kommentieren » | Allgemein

. (Entwurf)

14. Dezember 2009 - 21:59 Uhr

Auf der Suche nach einem Blatt Papier fand ich den silbernen Weihnachtsstern, den ich vor ungefähr zwei Wochen verzweifelt suchte, um ihr eine Freude zu machen. Er liegt jetzt hier neben mir, ich werde ihn ihr zeigen, wenn sie aufwacht, nur, wann wird das sein, und in welchem Zustand wird sie sich befinden?

Als ich ich vorhin gegen 17:00 Uhr die Jalousien herabließ, strich mir der Gedanke, nun die zweite Nacht einzuläuten, durch den Kopf. Es war gestern gegen 17:00 Uhr, als ich sie, auf der Couch sitzend, eingeschlafen vorfand und kurz danach die Jalousien herabließ.

Lang wird sie nicht schlafen, dachte ich, sie auf die Couch bettend, sie schlief ja schon fast den ganzen Tag. Sie schlief – wenn man einen unweckbaren Zustand, unweckbar durch Berührung, durch Ansprache, selbst durch Wechseln der Kleidung als Schlaf bezeichnen möchte – bis heute morgen ca. 11:00 Uhr.

Die dazwischenliegenden Stunden ….

***

Sie schläft nun wieder seit 17:00 Uhr. Ich bin ein Stockwerk über ihr, überwache ihren Atem mit dem Omaphone und bin froh, mich ein bißchen nur in meiner Welt aufzuhalten.

Vorhin um dreiviertel 8 schaltete ich das Fernsehgerät ein. Seit weit über einem Jahr schauen wir von Montag bis Donnerstag gemeinsam die bayerische Vorabendserie, ein liebgewonnenes Ritual, ein Indikator auch für ihre Stimmung und Verfassung (die stets prächtig ist, wenn sie die Titelmelodie mitsummt, mitsingt oder gar gröhlt).

Heute blieb sie, ich habe es nicht anders erwartet, in ihrem nahezu komatösem Zustand und mir war, …

Kommentieren » | Allgemein

Den Gedanken nachhängend

11. Dezember 2009 - 00:47 Uhr

Den Gedanken nachhängend in der U-Bahn sitzen. Sich all der Menschen gewahr werden und fragen: Laufen in all diesen Köpfen auch so Filme? Was für Filme könnten das sein?

Später im Zug eine alte dicke Frau. Die so gern Karten spielt und würfelt. Erzählt sie der jungen Frau, die aus dem Fenster schaut. Jedoch hat sie niemand zum Karten spielen und würfeln. Ihr Mann, der schläft immer. Manchmal schimpft er. “Du und Deine Karten! Lass mich in Ruhe” äfft sie ihn nach. Und dann: “Schlagen könnt ich ihn, totschlagen! Hoffentlich hab ich nie ein Gerät in der Hand, wenn er so ist …”

Einblick in einen der Köpfe, Typ deutsche Durchschnitts-Seniorin.

Eine Woche ist das etwa her.

Kommentieren » | Allgemein

Im Nachtzug nach Lissabon

11. Dezember 2009 - 00:40 Uhr

Im Nachtzug nach Lissabon las ich und fragte mich, was die Axt wohl dem Tageslicht preisgeben würde, wenn sie die Eisschicht des Meeres zerschlüge. Am Abend desselben Tages dann eine Begegnung.

Vier Wochen ist das etwa her.

Kommentieren » | Allgemein

Es macht mir nichts aus,

7. Dezember 2009 - 13:27 Uhr

Es macht mir nichts aus, barfuß draussen zu laufen, auch nicht in der Nacht, auch nicht, wenn es regnet. Mit dem Entdecken der ersten Nacktriesenschnecke auf dem Gartenweg jedoch wird das “Nur noch schnell Müll runterbringen” abenteuerlich, sehr abenteuerlich.

Kommentieren » | Allgemein

Erspäht

6. Dezember 2009 - 14:32 Uhr

Passend zur Jahreszeit:
… Your online guide to snowflakes, snow crystals, and other ice phenomena …

Und immer wieder schön:

flake1

Wehmütig.

Kommentieren » | Allgemein

.

6. Dezember 2009 - 13:40 Uhr

Das Abhusten fällt ihr schwer. Es ist unklar, ob sie zu schwach ist oder ob sie nicht versteht, was sie tun soll. Auch Vorhusten bringt keinen Nachahmungseffekt. Jedoch: Lachen löst Hustenreiz aus. Das ist also die Aufgabe: Die hochbetagte und gebrechliche, einigermaßen altersverwirrte Oma zum Lachen zu bringen.

Was im Alltag absichtslos immer wieder geschieht, ganz nebenbei und beiläufig; es ist tatsächlich oft sehr lustig bei uns (wohl aber nur für den, der diese gewisse Art von Humor besitzt, oder in der Lage ist, ihn sich zu eigen zu machen), nun, das ist im Krankheitsfall nicht so einfach.

Und geschieht dennoch nebenbei: Beim obligatorischen Abklopfen des Rückens singe ich, ohne daß es mir bewusst ist (ich singe viel mit ihr), im Takt: “Da da da – Aha! Aha! Da da da – Aha aha aha …”

Sie will etwas sagen (ihrem Gesicht nach zu urteilen etwa “Maadla, spinnst jetzt?”) und blickt mich an. Wahrscheinlich hab ich nicht nur gesungen, sondern auch geschaut wie Stefan Remmler. Es kommt fast zugleich, das Lachen und das so notwendige Husten.

Es geht ihr heute besser.

Kommentieren » | Allgemein

.

4. Dezember 2009 - 01:46 Uhr

Das Deckenlicht ist klein gedreht, hauptsächlich wird das Zimmer vom elektrischen Weihnachtslichterbogen im Fenster beleuchtet. Die Uhr tickt, der Ofen bullert, ab und zu zwitschern die Finken im Käfig. Ansonsten ist nur ihr Atmen zu hören, ein endlich gleichmäßiges Atmen, ohne Rasseln, ohne Brodeln, ohne Seufzen. Ich hab mich im Sessel zusammengekuschelt und bewache ihren Schlaf.

Die Nacht kommt mit ihrer Dunkelheit, ein Blick hinaus, überall strahlen Lichter in nachbarschaftlichen Bäumen und Fenstern. Leise lasse ich die Jalousie herab.

Kommentieren » | Allgemein

Es brennt an der Uni

2. Dezember 2009 - 18:23 Uhr

Die Bücher am Stand in der Fußgängerzone durchschauen, den Lärm dabei unreflektiert wahrnehmend, das Plappern der Passanten, das Dudeln der Weihnachtsmusik, irgendwo bellt ein Hund. Irgendwo wird geschrieen, irgendwo trillern Pfeifen, es wird lauter, es kommt näher, es dringt ins Bewusstsein. Demo?

“Allmechd, die kumma zu uns!” sagt eine ältere Dame zu ihrer Begleitung und zieht diese mit fort. Auch andre Menschen, eben noch entspannt Bücher anguckend oder miteinander plaudernd, sehen sich, man möchte fast meinen argwöhnisch, um und brechen auf, weg von hier.

Stumm wird das vorüberziehende, grün flankierte Grüppchen von den Verweilenden beobachtet. Jemand fasst sich ein Herz und klatscht mit hoch erhobenen Händen. Die argwöhnischen Blicke nun auf mir. Drauf pfeifend geh ich in die Buchhandlung.

Nachher im Zug ein paar Arbeiter, still in Zeitungen vertieft. “Allmechd, jetzt wolln’s auch noch mehr Bafög” sagt einer. Antwort lässt auf sich warten, doch sie kommt: “Jaja …” Eine Weile später unterhalten sie sich angeregt über erfolglos verlaufende Bewerbungen in den Fabriken.

Erneut Studenten-Demo in Nürnberg
FAU Brennt!
Krissi im Interview

Kommentieren » | Allgemein

« Ältere Einträge     Neuere Einträge »