20. Februar 2010 - 23:02 Uhr
Der Todeskater im Pflegeheim: “Oscar ist ein besonderes Tier: Es scheint zu spüren, wenn Patienten nur noch wenige Stunden zu leben haben. Dann legt sich der Kater neben sie.”
“Du musst dich kümmern, es ist doch dein Vater”: “Plötzlich fehlten ihm Wörter, wenn er erzählte. Er schämte sich, ging nicht mehr aus dem Haus – wurde depressiv. Am Ende ließ Nicole Schneider-Gorges ihren Vater ins Heim bringen. Wenn Eltern plötzlich zu Kindern werden: Die Geschichte eines Dramas, das Abertausende täglich durchleben.”
Letzte Ausfahrt: “Manche Motorradfahrer wollen partout niemals in ein Auto – nicht mal nach ihrem Tod in den Leichenwagen. Der Schotte Paul Sinclair hat eine Lösung: Er ermöglicht eingefleischten Bikern einen Abgang auf zwei Rädern.”
Bestattungen: Ein todsicheres Geschäft: “«Ruhe in Frieden» für 699 Euro, «Wir werden dich nie vergessen» für 499 Euro: Sterben ist ein todsicheres Geschäft. Wirtschaftskrise hin, leere Kassen her – gestorben wird immer, 6649 Mal in Nürnberg im Jahr 2008.”
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20. Februar 2010 - 22:46 Uhr
So sorgfältig hinabgestiegen in das dunke Loch, Schritt für Schritt auf der selbstgebauten Strickleiter, so vorsichtig durch die Finsternis getappt, die andre Seite suchend, um wieder hinaufsteigen zu können, hinauf in’s Licht. Die Falltür übersehen.
Es ist kein rasanter Fall. Ein Gleiten eher, schwebend, und ich sehe nicht nur die Marmeladengläser (Erdbeer, 1997) und Bücher (Kreuzworträtsellexikon) in den Regalen, sondern auch die Bilder an der Wand, die Bilder, die durch den Raum schweben, die Bilder in meinem Kopf. Keine Landkarten.
Das Schlimmste, meinte die Ärztin zu mir, sei für sie persönlich das Wissen, den verstorbenen Menschen nie mehr berühren zu können, nie wieder mit ihm sprechen zu können. Woher will sie das so genau wissen, das mit den “Nie wieder”?
Was das Schlimmste für mich ist, weiß ich nicht. Schlimm ist das Erinnern. Z.B. an den Grießbrei. Wie gut er geschmeckt hat, wie sie geschaut hat, wenn sie uns Kindern eine Extraportion Schokolade über den heißen Brei raspelte. Viel schlimmer jedoch ist das Erinnern an schlimme Dinge. Dies zaubert kein kleines, trauriges Lächeln in mein Gesicht.
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