WGT 2010

Ich erinnere mich an die Frage eines jungen Mannes vor einiger Zeit, wie lange ich schon in der Szene sei. Ich erinnere mich an mein Befremden und Erstaunen: Werde ich als Teil von etwas betrachtet, als dessen Teil ich mich nicht fühle? Wie ich mich nie als Teil der vielen “Szenen” begriff, in die ich im Laufe der Jahre durchstreifte. Sie kreuzten meinen Weg, gesucht hab ich sie nicht, es war vielmehr ein Hineinstolpern, Verweilen, Weiterziehen.

Verweilt wird an Pfingsten, Szene hin oder her, in Leipzig.

Offizielles und Spezielles Hier und da.

Außerdem war da noch …

… die ältere Dame am Hauptbahnhof, am Freitag. Mit entschlossenem Schritt kommt sie auf uns zu. “Darf ich etwas fragen?” “Selbstverständlich …” (gefasst auf, wie die letzten Jahre erlebt, ein Gespräch über Gott/losigkeit oder anderweitige Kritik). “Ist hier etwas Besonderes?” will sie wissen, und ich muss lachen. “Ja, und zwar …”, beschreibe in zwei Sätzen das WGT. Sie kann nicht nur entschlossen gehen, sie kann auch entschlossen schauen und fragen: “Darf ich da auch hin?”, schränkt sich aber selbst ein, schüchtern nun: “Oder dürft das nur ihr?” 80 Euro aber sind ihr zuviel Geld, sie wünscht uns viel Spaß, dreht sich um und geht.

… der gelangweilt-genervte, leicht angewiderte Stoßseufzer eines in voller Blüte stehenden, heterosexuell orientierten 23-jährigen: “Ich kann keine Titten mehr sehen!”.

… der Betrunkene in der Straßenbahn. Wo wir herkommen. Aha, er kommt aus Torgau und war schon in Jena und Zwickau und Gera und ich weiß nicht wo noch. Wo wir hinfahren. Aha, Felsenkeller, ja, da hat er Hausverbot und hier und dort auch. Warum? Schlägerei, muss manchmal sein, im Felsenkeller hat er eine Frau beschützt, Frauen muss man schützen, wenn so Typen kommen, dem hat er den Unterkiefer gebrochen, der hat seine Exfreundin nicht in Ruhe gelassen. Ganz ruhig und gelassen sagt er es: “Das ist das einzige, was ich habe, eine Exfreundin”.

… die Panik und Verweiflung in den Augen eines Berauschten, vermutlich Betrunkenen. Kräftige Securityhände links und rechts stützen ihn, geleiten ihn zum Ausgang. Beim Nachschauen sehe ich blasse splitternackte Hinterbacken unter dem kurzen schwarzen Lackröckchen, der Anblick ist herzerschütternd.

Freitag:
- Winterreise: Einzigartig!

- Orgonautic: Ist es tatsächlich schon fünf Jahre her, als ich schrieb: “Wenn Du es aushältst, daß Dein Körper sich verselbständigen, nur noch der Musik folgen will, der Bewegungsdrang übermächtig wird; wenn Du die perfekte Ruhe in Dir, schlafähnliches hellwaches DaSein genießen willst, ausgelöst durch ebendiese Musik; wenn Du fibrierende Spannung und Entspannung pur erleben möchtest, wenn Du Zuhören und Zusehen und Zulassen, Dich auf Menschen, Bilder und Töne einlassen willst und kannst, dann geh zu Orgonautic.” – Ganz so ist es nicht mehr … ich kann nicht benennen, was sich verändert hat, eins aber bleibt: Hingehen lohnt!

- Kirlian Camera

- Brendan Perry

Samstag:
- Requiem in D-Moll

- Ausstellung: Wir waren zweimal dort, und wäre der Weg nicht etwas weit, ich würde es mir ein drittes Mal ansehen.

- Bloody, Dead and Sexy

- Sexgang Children : Meine Entdeckung, mein Highlight

Sonntag:
- Buchvorstellung

- Tonal y Nagual (JÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜRGEEEEEN!)

- S.I.T.D und Suicide Commando fielen leider aufgrund überfüllter Parkbühne für uns aus, wer zu spät kommt, den bestraft der Veranstalter, oder wie war das?

- Alien Sex Fiend: Entschädigt für jeglichen Ärger!

Montag:
- Der Fluch

Der Abend klang ruhig aus …

Und sonst:

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Kategorie: Allgemein 2 Kommentare »

2 Reaktionen zu “WGT 2010”

  1. JÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜRGEEEEEN

    Wer schreit hier meinen Namen? ;)

  2. Älis

    Diejenige, die Deinen Namen auch nachts an der Straßenbahnhaltestelle schrie – und tags drauf vor der Agra :-)